In der Weiterbildungsbranche ist nach anfänglichen Widerständen („es geht nichts über Seminare und Trainings“) derzeit eine operative Hektik in Bezug auf Aktivitäten zum Online Lernen ausgebrochen.

In der Folge sprießen Lernplattformen wie Pilze aus dem Boden, mal mit Whiteboard-Erklärvideos, mal mit abgefilmtem Frontalunterricht durch Experten, mal in Form von inszenierte Spielszenen mit Erklärtexten. Doch betrachtet man viele der Angebote genauer, folgt schnell die Ernüchterung: Oft wird Content didaktisch so langweilig aufbereitet, dass wir uns an die Anfänge des bundesdeutschen Bildungsfernsehens der Regionalprogramme erinnert fühlen, nur selten gibt es Gamification-Ansätze, die über eine Wissensabfrage per Quiz hinausgehen, und meist fehlt ein ganzheitlicher Ansatz, der aus verschiedenen Insellösungen ein integriertes Lernkonzept werden lässt. Schade eigentlich, denn die digitale Welt birgt ein gigantisches Potential nicht nur für die Personal-, sondern auch für die Organisationsentwicklung.

Bild: Schirrmacher Group

Vom Online-Seminar zu Blended Learning

Weitgehende Einigkeit herrscht in der Branche darüber, dass Online-Lernkonzepte Präsenztrainings nicht ganz ersetzen, sondern gezielt ergänzen sollen. Blended Learning lautet das Zauberwort – laut Wikipedia „eine Lernform, die eine didaktisch sinnvolle Verknüpfung von traditionellen Präsenzveranstaltungen und modernen Formen von E-Learning anstrebt“.

Was aber heißt „didaktisch sinnvoll“?

Hierzu lohnt sich ein kurzer Blick in die Neurodidaktik. Dort weisen heute sämtliche wissenschaftlichen Untersuchungen in ein und dieselbe Richtung: die emotionale Beteiligung des Lernenden ist ein zentraler Schlüssel zu dessen Lernerfolg. Es gilt also, die Lernenden auf eine emotionsgeladene Reise mitzunehmen, auf der sie Höhen und Tiefen durchleben – auf keinen Fall aber Langeweile. Denn Langeweile wird meist dadurch hervorgerufen, dass der Lernende die Inhalte als unbedeutend erlebt und daher entweder erst gar nicht aufnimmt oder in kürzester Zeit wieder vergisst – eine sinnvolle Abwehrreaktion unseres Gehirns, um es nicht mit scheinbar unnützem Zeug zu verstopfen.

Game based Learning als Schlüssel zum Lernerfolg

Lernangebote egal welchen Inhalts sollten also Aufmerksamkeit, oder besser noch: Begeisterung wecken, um die Gehirne der Lernenden von deren Relevanz zu überzeugen. Und auch hier hat die Neurodidaktik in den letzten Jahren enorme Sprünge gemacht. Um nämlich herauszufinden, wie sich Lernen mit Begeisterung verknüpfen lässt, hat sie den „Profis“ beim Lernen über die Schultern und in die Gehirne geschaut: den Kindern. Denn ganz intuitiv und ohne das Zutun pädagogisch geschulter Erwachsener, lernen Kinder in ihren jungen Jahren gigantische Mengen an Wissen durch einen einfachen Trick: durch Spiel und Simulation. Und was für Kinder gilt, auch das hat die Neurodidaktik inzwischen erkannt, gilt für Erwachsene nicht weniger. Lediglich die zu erlernenden Inhalte müssen sich ändern, damit aus Spiel und Spaß „Gamification“ und „Game based Learning“ werden.


Mit einer App-Simulation spielerisch Führung üben. Bild: SchirrmacherGroup/ Pixabay

Nachhaltige Verankerung durch modulare Blended Learning Konzepte

Ein weiterer Schlüssel zum Lernerfolg liegt in der Wiederholung der erlernten Inhalte zur nachhaltigen Verankerung. Im nächsten Schritt gilt es daher, die zu erlernenden Inhalte in verschiedene, aufeinander abgestimmte Lernformate zu gießen. Durch die verschiedenen Formate wird garantiert, dass bei der Repetition nicht die gefürchtete Langeweile aufkommt – wie wir inzwischen wissen, der natürliche Feind des Lernens. Um diese Formate „didaktisch sinnvoll“ zu verknüpfen können nun mehrere Schritte erfolgen, die ich an einem konkreten Beispiel skizzieren möchte.

Best Practice: Führungskompetenzen

Mara Muster (Name von der Redaktion geändert) ist eine engagierte und fachlich kompetente Mitarbeiterin, die Sie sich in Ihrem Unternehmen gut als Nachwuchsführungskraft vorstellen können. Auch Mara Muster hat Ihnen ihre Bereitschaft zu diesem nächsten Karriereschritt bereits signalisiert. Über die fachlichen Kompetenzen hinaus, über die Mara Muster schon jetzt verfügt, können Sie aber ihre Führungskompetenzen noch nicht gut einschätzen. Ein Online-Einstufungstest ergibt, dass Mara Muster über ein fundiertes Wissen über Projektmanagement und Selbstorganisation verfügt, wohingegen sie Defizite bei Kenntnissen über Kommunikationsmodelle und Konfliktmanagement-Methoden aufweist. Ihre erlangte Gesamtpunktzahl reicht hier jeweils nicht aus, um sie für die Teilnahme an der App-Simulation „Führung im Alltag“ zu qualifizieren. Sie bekommt daher eine Reihe von Empfehlungen zu Lernvideos, Texten und kurzen Online-Lernspielen, um ihre Wissenslücken zu schließen und weitere Punkte zu sammeln. Je mehr sie im Vorfeld punktet, desto wahrscheinlicher ist ihr anschließender Erfolg in der Simulation anhand der Führungs-App.

Die App als Vorbereitung des Präsenz-Planspieltrainings

Als Mara Muster wenig später erneut den Zugangstest durchläuft, liegt ihr Ergebnis sogar weit über den Mindestanforderungen. Doch jetzt wird ihr theoretisches Wissen auf einen ersten Praxis-Prüfstand gestellt: In der App-Simulation hat Mara Muster die Aufgabe, ein fiktives Team aus 6 Mitarbeitern unterschiedlicher Qualifikationsstufen zu führen und mit deren Hilfe alle anstehenden Arbeitspakete aus Tagesgeschäft und Projektarbeit zu bewältigen. Doch immer wieder stören Ereignisse den eigentlichen Tagesablauf, entstehen Engpässe durch erkrankte Mitarbeiter, sinkt die Motivation oder steigt der Stresslevel im Team. Hier bekommt Mara Muster einen ersten Einblick in die Komplexität des Arbeitsalltags einer Führungskraft und bereitet sich gleichzeitig auf den nächsten Schritt in ihrem Führungstraining vor: Die Simulation „Führung im Alltag“ als Planspiel-Präsenzseminar.

Im Planspiel-Präsenztraining gemeinsam um Unternehmenserfolge kämpfen.
Bild: SchirrmacherGroup

Das Planspiel-Präsenzseminar als Power-Workshop

Im Planspielseminar findet Mara Muster eine haptische Abbildung der Führungssituation wieder, die sie in der App bereits kennengelernt hat. Auch die Spielregeln sind ihr dank der App bereits vertraut, so dass sie sich ganz auf ihre Aufgaben konzentrieren kann. Anders als in der App, ist Mara Muster bei der Bewältigung dieser Aufgaben jetzt nicht mehr allein: hier trifft sie auf andere angehende und gestandene Führungskräfte, die gemeinsam mit ihr in 3 Teamleitungs-Teams und einem Team aus Geschäftsführung und Personalleitung für die wirtschaftlichen Erfolge im Unternehmen kämpfen. Neben den Führungsaufgaben, die Mara Muster bereits aus der App kennt, werden hier Führungsrichtlinien entwickelt und gelebt, wird diskutiert und um gemeinsame Lösungen gerungen, werden in Rollenspielen Gesprächsführungskompetenzen geübt und findet ein intensiver Austausch zwischen Teilnehmenden und Seminarleitung mit einem konkreten Praxistransfer statt.

Von der Echtzeit-Simulation zur Lernenden Organisation

In den folgenden Wochen nach ihrem Planspiel-Präsenzseminar kommt bei Mara Muster wieder die App zum Einsatz – diesmal jedoch als Echtzeit-Simulation, die von der Seminarleitung mit weiteren Fällen aus der Unternehmenspraxis gespeist wird. Wann immer Mara Muster an ihre Grenzen gelangt, kann sie auf eine Vielfalt von Online-Lernangeboten zurückgreifen und bei Bedarf Termine für gezielte Online-Coachings vereinbaren. Einmal pro Woche kommen die Teilnehmer online in Web-Konferenzen zusammen, um sich über ihre Lösungsansätze und Erfahrungen im Führungsalltag auszutauschen.

Zudem haben Mara Muster und ihre Kollegen hier die Gelegenheit, eigene Fälle und Führungsprobleme einzugeben, die von der Spielleitung ins System eingespeist und – mit den erarbeiteten Lösungsansätzen hinterlegt – so auch künftigen Teilnehmern aus dem Unternehmen zugutekommen Spielend wird so der Bogen von der Personalentwicklung zur Organisationsentwicklung geschlagen, vom lernenden Individuum zur lernenden Organisation. 

Erfahren Sie mehr und besuchen Sie die SchirrmacherGroup auf der L&Dpro

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