Wachstum im E-Learning-Markt

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Foto: Helloquence auf Unsplash

Wenn die Wirtschaft leidet, wächst bei den Bildungsanbietern die Besorgnis, dass zuerst an Weiterbildung gespart wird. Das scheint in der aktuellen Schwächephase nicht der Fall zu sein. Ein  Grund, sich zufrieden zurückzulehnen, sind die guten Zahlen dennoch nicht.

Wenn man den Branchenmonitor „E-Learning-Wirtschaft 2019“ des mmb-Instituts, Essen, zum Maßstab nimmt, geht es den Anbietern von Lernsoftware so richtig gut. Nach etwas magereren Jahren 2016 und 2017 mit nur einstelligen Wachstumsraten hat sie 2018 wieder ein zweistelliges Wachstum deutlich über zehn Prozent erreicht. Die Befragung, die ausgehend von 37 Unternehmen der Branche, die ihre attestierten Zahlen gemeldet haben, auf alle 250 deutschen Anbieter hochrechnet, erreicht demnach sogar erstmals einen Umsatz von einer Milliarde Euro!

Digitale Lerninhalte und Kurse bringen Umsatz

Die mmb-Experten wollten von den Unternehmen auch wissen, in welchen Bereichen sie ihren Umsatz generieren. Der große Gewinner und damit das größte Stück vom Umsatz lässt sich demnach mit dem Anbieten und Verkaufen von digitalen Lerninhalten und E-Learning-Kursen machen. Von 30 und ein paar Prozent in 2015 bis 2017 erreichte der Umsatz in diesem Bereich 2018 satte 51,7 Prozent und vereinte damit alles Umsatzwachstum auf sich! Rückläufig dagegen ist der Umsatz mit Verkauf und Vermietung von Software-Tools für E-Learning und Wissensmanagement, der Erstellung und Veredelung von digitalen Lerninhalten, der Beratung, der Anpassung und allen möglichen weiteren Dienstleistungen. Immer mehr Unternehmen greifen statt auf maßgeschneiderte Lerninhalte auf serienmäßig produzierten „off-the-shelf“ Content zurück. Diese Inhalte, so heißt es in der Umfrageanalyse, sollen zwar hochwertig sein, werden aber auch gerne „gemietet“ oder abonniert.

Videolernen voll im Trend

Die nackten Zahlen, die der Branchenmonitor liefert, werden gestützt von Aussagen, die das mmb-Institut unter 61 Branchenexperten für seine aktuelle, 14. Trendstudie  „Learning Delphi“ ermittelt hat. Themen wie Datenschutz, Compliance, Arbeitssicherheit oder IT-Anwendungen, die in den nächsten drei Jahren weiter als wichtig erachtet werden, werden häufig „off-the-shelf“ eingekauft. Top-Trend im Corporate Learning ist demnach das videobasierte Lernen im YouTube-Stil. Videos und Erklärfilme liegen mit 94 Prozent vorn, wenn es um die Bedeutung von Anwendungen als Lernform in Unternehmen geht. Die sind gerne mal selbst produziert oder werden ebenfalls als Standardprodukte eingekauft oder abonniert. Auch der Trend zu Learning Experience Plattformen spielt den Produzenten individueller E-Learning-Kurse nicht in die Hände. Denn diese Plattformen werden vor allem dafür geschätzt, dass sie externe Lerninhalte besser und nutzerorientierter integrieren und kuratieren, als dies die traditionellen Learning Management Systeme vermögen.

Kundenpflege wichtig

Alles in Ordnung also für die deutsche E-Learning-Branche und kein Grund zur Sorge? Auf den ersten Blick sicherlich. Viele deutsche E-Learning-Anbieter werden sicherlich noch einige Jahre davon profitieren, dass viele kleine und mittlere Unternehmen hierzulande entweder erst ins digitale Lernen einsteigen oder es umfassender einsetzen. Sie profitieren auch davon (wenn sie sich entsprechend verhalten), dass es diesen Kunden besonders wichtig ist, mit ihrem E-Learning-Anbieter auf Augenhöhe zu verhandeln. Eben keine kleine Nummer unter vielen großen zu sein, sondern mit den eigenen Anliegen und Entwicklungsvorschlägen durchzukommen und sich so ein Stück weit zusammen weiterentwickeln zu können. Auch technisch müssen sich die deutschen E-Learning-Anbieter nicht vor der internationalen Konkurrenz verstecken. Für den Trend zu Angeboten, die Recruiting und Talentmanagement mit abdecken, gibt es hierzulande ebenfalls gute Angebote. Die Frage ist, welchen Einfluss es auf den deutschen E-Learning-Markt haben wird, dass sich internationale Player und vor allem Microsoft immer breiter machen auf dem E-Learning-Markt. Die US-Amerikaner sind mit ihrer Tochter LinkedIn und LinkedIn Learning bereits gut im Geschäft bei großen Unternehmen. Zudem beinhaltet Office 365 von Teams bis Sharepoint viele Tools, die sich gut für das Lernen im Unternehmen eignen und den Lernenden bereits bekannt sind. Und dabei wird es wohl nicht bleiben. Wie bei dem amerikanischen Analysten Josh Bersin zu lesen ist, plant das Unternehmen aus Seattle auch noch ein eigenes Learning Management/Learning Experience System.

Link zum Learning Delphi:

Link zum Branchenmonitor:

Foto von Autorin Grudun Porath_Autorin der Trendkolumne
Gudrun Porath
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Gudrun Porath ist freie Journalistin und Moderatorin. Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitete für Tageszeitungen, bis sie 1999 zu einem jungen Kommunikationssoftware-Unternehmen wechselte und dort unter anderem nach dem Börsengang die Finanzmarktkommunikation verantwortete. 2005 machte sie sich als Journalistin selbstständig und spezialisierte sich auf die Themen digitales Lernen und Weiterbildung, über die sie seitdem für Fachzeitschriften schreibt und Veranstaltungen moderiert. Auf haufe.de erscheint ihre E-Learning-Kolumne.

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