Die Rückkehr der MOOCs

Foto: Nick Morrison; Unsplash

Die digitale Transformation des Lernens erlebt durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie einen enormen Schub. Davon profitieren auch Lernformate, die in den vergangenen Jahren schon fast in der Versenkung verschwunden waren. Massive Open Online Kurse, kurz MOOCs, sind zurück auf der Agenda.

Erinnert sich noch jemand an DAS Digital Learning Thema des Jahres 2012? Es war das „Year of the MOOCs“, wie die New York Times im Sommer 2012 euphorisch tönte. Hochwertige universitäre Bildung für alle, ohne Zugangsbeschränkungen, for free oder zu geringen Kosten, das war die Idee hinter den Massive Open Online Kursen, zu denen sich tausende von Teilnehmern aus aller Welt einschrieben. Der deutsche Standford-Professor Sebastian Thrun und sein Kollege Andrew Ng waren die ersten, die auf die Idee gekommen waren einen Uni-Kurs online für alle freizuschalten.

Mit den MOOCs entstanden Marktplätze wie Coursera, edX oder Udacity, auf denen die besten Universitäten der Welt von Harvard bis zur TU München Online-Kurse einstellten. Der Hype währte nicht lang. Bereits im Herbst des Jahres wurden MOOCs wieder abgeschrieben. Die Abschlussquoten schienen  im Vergleich zu den hohen Teilnehmerzahlen als zu niedrig, ein tragfähiges Geschäftsmodell fehlte. Es wurde ruhig um MOOCs und ihre Anbieter, die zwar Verluste hinnehmen mussten, das Angebot aber aufrecht erhielten. Dabei half die Kooperation mit Unternehmen, wie sie Udacity vormachte. Das Portal entwickelte spezielle Zertifikate, Nanodegrees, die exakt auf die Bedürfnisse der Kooperationspartner zugeschnitten waren.

Jetzt sind MOOCs zurück auf der Bühne. Wie das MOOC-Portal Classcentral.com meldet, verzeichnen die Anbieter seit Mitte März enorme Zuwächse auf den verschiedenen Plattformen. Allein bei Class Central haben sich demnach neun Millionen Menschen über das Kursangebot informiert, auf der größten MOOC-Plattform Coursera habe es innerhalb von 30 Tagen mehr als 10 Millionen Anmeldungen gegeben. Enorm sind die Zuwächse deshalb, weil diese Zahlen laut Class Central ein Plus von 644 Prozent im Vergleich zum letzten Jahr bedeuten. Wie entstehen solche Zahlen?

Tatsächlich sind Coursera und Co ähnlich aktiv geworden wie auch deutsche E-Learning-Anbieter, die ihren Kunden und privaten Lernenden Teile ihres Angebots zunächst, für einen begrenzten Zeitraum, kostenlos zur Verfügung stellen. Coursera beispielsweise hat eine Initiative gestartet, die sich „Workforce Government Recovery“ nennt. Die Plattform hat US-Bundesstaaten aber auch Ländern in Europa angeboten, arbeitslosen Arbeitnehmern Zugang zu ihrem Kurs-Katalog zu gewähren, begrenzt auf bis zu 50.000 Lizenzen je Land. In Europa, vermeldet Coursera, seien bereits Griechenland und die Ukraine darauf eingegangen. Für Unternehmenskunden gibt es die „Employee Resilience Initiative“, die freien Zugang zu über 30 Kursen bieten soll. Ausgewählt wurden Kurse, die seit Beginn der Pandemie zunehmend nachgefragt wurden. Themen sind zum Beispiel „The Science of Well-Being“, „Everyday Leadership“ oder „Communications Strategies for the Virtual Age“. Mit dem Angebot würden laut Coursera weltweit Unternehmen mit 26 Millionen Mitarbeitern erreicht. Das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam reiht sich ein und macht seinen Kunden ein besonderes Angebot. Noch bis zum 30. Juni können Interessierte eine Reihe im Archiv befindlicher Kurse zu IT-Themen kostenlos ansehen und eine Prüfung absolvieren, um ein Zeugnis zu erhalten.

Am MOOC-Revival beteiligt ist auch die Corporate Learning Community in Deutschland. Nach ersten MOOCs 2015 und 2017 läuft aktuell das MOOCamp20, eine Mischung aus Massive Open Online Kurs und abschließendem Barcamp. Im Unterschied zu den Kursen, die auf den großen US-Plattformen angeboten werden und bei denen es sich in erster Linie um Frontalunterricht handelt, gestalten hier die Teilnehmenden den MOOC selbst. Zum Thema „Lernräume gestalten – offline, online und hybrid“ haben sich rund 1.200 Personen eingeschrieben, noch mehr machen über die frei zugänglichen digitalen Kollaborationstools mit. Der MOOC knüpft damit  direkt an den Erfolg des CL2025 MOOCathon von 2017 an.

 

 

 

Foto von Autorin Grudun Porath_Autorin der Trendkolumne
Gudrun Porath
+ posts

Gudrun Porath ist freie Journalistin und Moderatorin. Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitete für Tageszeitungen, bis sie 1999 zu einem jungen Kommunikationssoftware-Unternehmen wechselte und dort unter anderem nach dem Börsengang die Finanzmarktkommunikation verantwortete. 2005 machte sie sich als Journalistin selbstständig und spezialisierte sich auf die Themen digitales Lernen und Weiterbildung, über die sie seitdem für Fachzeitschriften schreibt und Veranstaltungen moderiert. Auf haufe.de erscheint ihre E-Learning-Kolumne.

Anzeigen
Anzeige Vocoanto

Gudrun Porath

Gudrun Porath ist freie Journalistin und Moderatorin. Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitete für Tageszeitungen, bis sie 1999 zu einem jungen Kommunikationssoftware-Unternehmen wechselte und dort unter anderem nach dem Börsengang die Finanzmarktkommunikation verantwortete. 2005 machte sie sich als Journalistin selbstständig und spezialisierte sich auf die Themen digitales Lernen und Weiterbildung, über die sie seitdem für Fachzeitschriften schreibt und Veranstaltungen moderiert. Auf haufe.de erscheint ihre E-Learning-Kolumne.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.