E-Learning-Markt lockt Investoren und forciert Konsolidierung des Marktes

Titelbild zur Kolumne von Gudrun Porath zum Thema E-Learning-Markt
Titelbild: Gerd Altmann auf Pixabay

Der E-Learning-Markt steht vor rosigen Zeiten, so lauten die allgemeinen Prognosen. Wenn es tatsächlich, wie sich abzeichnet, kein Wirkliches „Nach“ der Pandemie gibt und wir uns auf ein „Mit-dem-Virus“ einstellen müssen, gilt das umso mehr. Das prognostizierte Wachstum lockt Investoren und forciert die Marktkonsolidierung.

Personalisierung als Wachstumsmotor

Wie stark haben die Anbieter von digitalen Lernformaten von der Krise profitiert? Das lässt sich besonders gut bei denjenigen verfolgen, die ihre Zahlen regelmäßig veröffentlichen müssen, weil sie an der Börse notiert sind. Cornerstone onDemand etwa machte mit einem gestiegenen Umsatz von fast 29 Prozent auf 740 Millionen Dollar auf sich aufmerksam. Einen guten Teil dieser gestiegenen Umsätze verdankt das US-amerikanische Unternehmen der Akquise des LMS-Anbieters Saba, aber auch das eigene Geschäft mit Lerninhalten kann sich sehen lassen. Das eigentliche Erfolgsrezept ist laut Cornerstone CEO Phil Saunders allerdings die Personalisierung der Lerninhalte. Daten zu nutzen und diese zu analysieren, um damit den Lernenden ein „hyper-personalisiertes“ Lernangebot zu machen, soll zudem den Nutzen weiter vorantreiben.

Neue Investoren kaufen zu

Von schierer Größe, und damit mehr Daten, will auch Skillsoft profitieren. Eine Kundenbasis, mit mehr als 45 Millionen Lernenden in 160 Ländern weltweit und einem Umsatz von 500 Millionen Dollar, soll Skillsoft zum großen Gewinner der Branche machen. Im Frühjahr 2020 noch in eine finanzielle Schieflage geraten, haben die neuen Finanzinvestoren von Churchill Capital und Prosus jetzt einen Plan, wie das gelingen soll. Mit Percipio zum Beispiel, der hauseigenen Lernplattform. Die nämlich soll von der erweiterten Vertriebstruppe unter anderem mit dem Argument vermarktet werden, dass alte LMS nicht abgelöst werden müssen, sondern einfach integriert werden können. Und weil zwar immer gefordert wird, dass es immer mehr Soft Skills Training geben muss, Unternehmen aber nach wie vor lieber in Hard Skills investieren, haben die neuen Investoren gleich zugekauft. Zu Skillsoft gehört jetzt auch Global Knowledge, ein weltweiter Anbieter von IT-Trainings. Weitere Investments sind geplant. Übernahmen bis 100 Millionen Dollar und darüber hinaus traut sich das neue Skillsoft durchaus zu. Mit Jeff Tarr haben die Investoren zudem einen neuen CEO ausgesucht, der sich als ehemaliger Berater von Private Equity Unternehmen mit Übernahmen unter Umständen besser auskennt als mit digitalem Lernen.

Organisches und anorganisches Wachstum

Auch die britische Learning Technologies Group erlaubt dank ihrer Börsennotierung einen Einblick in Zahlen und Strategie. Wer mit LTG nichts anfangen kann: zu LTG gehören unter anderem das Talent- und Learning Management System PeopleFluent, der Schnittstellen-Spezialist Rustici (ua für die Implementierung von Standards wie SCORM und xAPI), das LXP Instilled, den Learning Record Store Watershed und seit letztem Jahr auch die Open-Source Lernplattform Open LMS (ein kommerzieller Moodle-Betreiber). Erst im Januar legte LTG für Bridge, eine Talentmanagement- und Lernplattform für mittelgroße Unternehmen, entwickelt von Canvas-Anbieter Instructure, 50 Millionen Dollar auf den Tisch. Liegt der Umsatz aktuell noch bei rund 180 Millionen Dollar, lautet das Ziel, bie Ende 2022 rund 320 Millionen Pfund zu erreichen –  und sei es durch weitere Zukäufe.

In Zukunft mit Coaching

Noch mehr Wachstum als den Anbietern von E-Learning und Talent Management Systemen trauen Investoren einem Markt zu, der Lernen und Coaching integriert, als das Aneignen von Wissen und die individuelle Begleitung der persönlichen Entwicklung. Coaching-Plattformen, die es schaffen, diese beiden Elemente zu integrieren, könnten am Ende die großen Gewinner sein. Weil sie die Lernenden nicht mit den Lerninhalten „allein“ lassen, sondern den Lerntransfer ganz individuell per App begleiten und coachen. Erst im März hat die us-amerikanische Plattform BetterUp dafür 125 Millionen Dollar eingesammelt und verfügt jetzt über eine Finanzierung von insgesamt rund 270 Millionen Dollar. Bei den Leistungen, die BetterUp seinen Kunden anbietet, spielt Künstliche Intelligenz eine wichtige Rolle. Das gilt auch für CoachHub, eine deutsche Coaching-Plattform in Berlin, die in eine ähnliche Richtung geht. Hier investierten Auch in Deutschland gibt es einen aufstrebendes Unternehmen, das in diese Richtung geht. Die Berliner Coaching-Plattform CoachHub erhielt in einer Finanzierungsrunde im Dezember 30 Millionen Dollar von britischen Investoren. Dafür müssen die traditionellen E-Learning-Anbieter viele Lizenzen verkaufen – oder sich ein neues, erweitertes Geschäftsmodell überlegen.

Foto von Autorin Grudun Porath_Autorin der Trendkolumne
Gudrun Porath
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Gudrun Porath ist freie Journalistin und Moderatorin. Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitete für Tageszeitungen, bis sie 1999 zu einem jungen Kommunikationssoftware-Unternehmen wechselte und dort unter anderem nach dem Börsengang die Finanzmarktkommunikation verantwortete. 2005 machte sie sich als Journalistin selbstständig und spezialisierte sich auf die Themen digitales Lernen und Weiterbildung, über die sie seitdem für Fachzeitschriften schreibt und Veranstaltungen moderiert. Auf haufe.de erscheint ihre E-Learning-Kolumne.

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Gudrun Porath

Gudrun Porath ist freie Journalistin und Moderatorin. Die studierte Kulturwissenschaftlerin arbeitete für Tageszeitungen, bis sie 1999 zu einem jungen Kommunikationssoftware-Unternehmen wechselte und dort unter anderem nach dem Börsengang die Finanzmarktkommunikation verantwortete. 2005 machte sie sich als Journalistin selbstständig und spezialisierte sich auf die Themen digitales Lernen und Weiterbildung, über die sie seitdem für Fachzeitschriften schreibt und Veranstaltungen moderiert. Auf haufe.de erscheint ihre E-Learning-Kolumne.

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